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Funktionelle Neurochirurgie

Fortgeschrittene funktionelle Neurochirurgie, die neuronale Schaltkreise bei Bewegungsstörungen und ausgewählten neurologischen Erkrankungen anspricht — tiefe Hirnstimulation, navigationsgestützte (stereotaktische) Biopsie und Rückenmarkstimulation, mit einem präzisen, gewebeschonenden Ansatz.

Funktionelle Neurochirurgie

Unser Ansatz in der funktionellen Neurochirurgie

Die funktionelle Neurochirurgie zielt nicht auf die Struktur des Gehirns und des Nervensystems ab, sondern auf dessen Funktionsweise. Ziel ist es, die gestörte elektrische Aktivität innerhalb der neuronalen Netzwerke und Schaltkreise, die Bewegung, Schmerz oder Muskeltonus steuern, wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Anstatt erkranktes Gewebe zu entfernen, wird der betreffende Schaltkreis gezielt und gewebeschonend verändert. Auf diese Weise sollen Symptome kontrolliert und die Lebensqualität verbessert werden.

Im Zentrum dieser präzisen Chirurgie steht die Verbindung von moderner Bildgebung, Neuronavigation und neurophysiologischer Überwachung. Wenn hochauflösende MRT- und CT-Bilder mit Echtzeit-Navigationssystemen und elektrophysiologischen Ableitungen kombiniert werden, kann eine millimetergenaue Zielführung möglich werden. Diese mehrschichtige Planung hilft, kritische Nervenstrukturen zu schützen, und ermöglicht Eingriffe mit möglichst geringer Gewebebelastung.

Die funktionelle Neurochirurgie ist kein einzelner Eingriff, sondern ein umfassender Prozess aus sorgfältiger Beurteilung, individueller Planung und langfristiger Nachsorge. Prof. Dr. Erdinç Civelek beurteilt das klinische Bild, die Erwartungen und den allgemeinen Gesundheitszustand jedes Patienten im Detail und stimmt chirurgische und medikamentöse Behandlungen so aufeinander ab, dass sie sich ergänzen. Dieser Ansatz bietet einen evidenzbasierten, realistischen Rahmen, in dem die Sicherheit stets im Vordergrund steht.

Tiefe Hirnstimulation (THS)

Die tiefe Hirnstimulation ist ein etabliertes Verfahren zur Behandlung von Bewegungsstörungen wie der Parkinson-Krankheit, dem essenziellen Tremor und der Dystonie. Dabei werden feine Elektroden in bestimmte tiefe Hirnregionen eingesetzt, die die Bewegung steuern; diese Elektroden werden mit einem unter der Haut implantierten Impulsgenerator verbunden, einem Gerät, das umgangssprachlich als Hirnschrittmacher bezeichnet wird. Durch regelmäßige elektrische Impulse soll die Aktivität gestörter Schaltkreise neu geordnet werden.

Eine der wichtigsten Eigenschaften der tiefen Hirnstimulation ist, dass es sich um eine reversible und anpassbare Form der Neuromodulation handelt. Die Stimulationsparameter können nicht-invasiv an das Ansprechen des Patienten und an sich im Laufe der Zeit ändernde Bedürfnisse angepasst werden; bei Bedarf kann die Stimulation reduziert oder ganz beendet werden. Diese Flexibilität ermöglicht es, die Therapie individuell abzustimmen und Symptome wie Zittern, Steifigkeit und Bewegungsverlangsamung besser zu kontrollieren.

Es ist wichtig zu betonen, dass die tiefe Hirnstimulation eine Behandlung ist, die auf die Kontrolle der Symptome und nicht auf die Heilung der zugrunde liegenden Erkrankung abzielt. Bei sorgfältig ausgewählten Patienten kann sie die Lebensqualität im Alltag deutlich verbessern, indem sie Medikamentendosen und arzneimittelbedingte Schwankungen verringert. Die Ergebnisse können jedoch von Patient zu Patient unterschiedlich ausfallen, weshalb die geeignete Auswahl der Kandidaten und das Schaffen realistischer Erwartungen ein untrennbarer Teil des Prozesses sind.

Navigationsgestützte (stereotaktische) Biopsie

Die navigationsgestützte Biopsie ist ein präzises diagnostisches Verfahren, das eine sichere Gewebeentnahme aus Läsionen in tiefen oder funktionell bedeutsamen Hirnregionen ermöglicht. Die rahmenlose Neuronavigationstechnologie arbeitet auf Grundlage der eigenen Bilddaten des Patienten und erlaubt so die Planung des sichersten Weges zur Zielläsion. Auf diese Weise kann durch einen weitaus kleineren Eingriff als bei einer offenen Operation eine genaue Probe gewonnen werden.

Der wichtigste Vorteil dieser Methode besteht darin, dass sie die Belastung des umgebenden gesunden Hirngewebes auf ein Minimum reduziert. Die Echtzeit-Navigation hilft dem Operateur, millimetergenau vorzugehen, und erleichtert es, kritische Gefäße und Nervenstrukturen zu umgehen. Eine über einen kleinen Zugang entnommene Probe ermöglicht es, durch die pathologische Untersuchung die Natur von Tumoren oder anderen Läsionen zu klären.

Eine genaue Diagnose ist die Grundlage einer angemessenen Behandlung. Die navigationsgestützte Biopsie trägt dazu bei, den richtigen Behandlungsplan zu erstellen, indem selbst bei chirurgisch schwer oder risikoreich zu entfernenden Läsionen zuverlässige Gewebeproben gewonnen werden. Die Ergebnisse werden gemeinsam mit onkologischen und radiologischen Teams beurteilt und bilden die Grundlage für eine individuelle, ganzheitliche Behandlungsstrategie für jeden Patienten.

Rückenmarkstimulation (Rückenmark-Schrittmacher)

Die Rückenmarkstimulation ist eine etablierte Behandlungsoption bei chronischen neuropathischen Schmerzen, die mit Medikamenten und anderen Verfahren nicht ausreichend kontrolliert werden können. Sie kommt insbesondere beim Postnukleotomiesyndrom (Failed-Back-Surgery-Syndrom) sowie bei nervenbedingten, in Arme oder Beine ausstrahlenden Schmerzen infrage. Dabei werden epidurale Elektroden über dem Bereich des Rückenmarks platziert, der Schmerzsignale weiterleitet, und mit einem unter der Haut implantierten Impulsgenerator verbunden.

Ein besonderes Merkmal dieser Behandlung ist, dass vor der Implantation eines dauerhaften Geräts eine Testphase durchgeführt werden kann. Während der Testphase erlebt der Patient die Schmerzreduktion und die Verbesserung im Alltag selbst; erst wenn ein ausreichender Nutzen erkennbar ist, wird ein dauerhaftes System geplant. Dieser Ansatz erlaubt es, die Eignung der Therapie im Voraus zu beurteilen, und unterstützt eine fundiertere Entscheidung.

Die Rückenmarkstimulation ist ein reversibles und anpassbares Verfahren; die Stimulationsparameter können an den Schmerz des Patienten angepasst und das System bei Bedarf wieder entfernt werden. Ziel ist es nicht, den Schmerz vollständig zu beseitigen, sondern ihn deutlich zu verringern und dadurch Beweglichkeit und Lebensqualität zu verbessern. Da die Ergebnisse von Person zu Person unterschiedlich sein können, sind auch bei dieser Therapie die geeignete Auswahl der Kandidaten und realistische Erwartungen von großer Bedeutung.

Wie es funktioniert: Neuromodulation und Technologie

Im Kern der Neuromodulation steht die Idee, funktionsgestörte neuronale Schaltkreise durch gezielte elektrische Stimulation neu zu ordnen. Anstatt erkranktes Gewebe zu entfernen, wird die übermäßige oder unregelmäßige Aktivität der Schaltkreise, die Schmerzen oder Bewegungsstörungen verursachen, durch fein abgestimmte Stimulation ausgeglichen. Dieser Ansatz spiegelt eine schützende Behandlungsphilosophie wider, die im Einklang mit der eigenen Funktionsweise des Nervensystems steht.

Der Erfolg des Verfahrens beruht auf drei grundlegenden Elementen: genaue Zielführung, individuelle Programmierung und Reversibilität. Elektroden, die an einem durch moderne Bildgebung und Navigation festgelegten Ziel platziert werden, werden über den Generator unter der Haut stimuliert. Die Stimulationsparameter können nicht-invasiv und dem Ansprechen des Patienten entsprechend viele Male neu eingestellt werden. Die Möglichkeit, das System zu beenden, wenn es keinen Nutzen bringt oder erforderlich ist, gehört zu den größten Stärken dieser Technologie.

Neuromodulation bedeutet nicht nur das Einsetzen eines Geräts; sie ist ein multidisziplinärer Prozess, der die Zusammenarbeit von Fachgebieten wie Neurologie, Schmerzmedizin, Physiotherapie und Radiologie erfordert. Die Abstimmung von chirurgischem Eingriff, medikamentöser Behandlung und Rehabilitation ist entscheidend für die Nachhaltigkeit der Ergebnisse und für das allgemeine Wohlbefinden des Patienten. Dieser ganzheitliche Ansatz stellt sicher, dass die Technologie so wirksam wie möglich eingesetzt wird.

Auswahl der Kandidaten, Sicherheit und Ablauf

Der Erfolg der funktionellen Neurochirurgie hängt maßgeblich von der Auswahl des richtigen Patienten ab. Jeder Patient wird durch eine detaillierte klinische Beurteilung, Bildgebung und bei Bedarf durch eine multidisziplinäre Konsultation eingeschätzt; der erwartete Nutzen des Eingriffs wird sorgfältig gegen die möglichen Risiken abgewogen. Diese gründliche Beurteilung hilft, jene Patienten zu identifizieren, die am meisten profitieren können, und unterstützt das Schaffen realistischer Erwartungen.

Wie bei jedem chirurgischen Eingriff bergen auch die Verfahren der Neuromodulation Risiken wie Infektionen, Blutungen oder gerätebedingte Probleme. Diese Risiken offen mit dem Patienten zu besprechen, bildet die Grundlage einer fundierten Entscheidungsfindung. Ziel ist es nicht, die Erkrankung vollständig zu beseitigen, sondern die Symptome zu kontrollieren und die Lebensqualität zu verbessern; dieser Rahmen wird von Anfang an transparent dargelegt.

Die Behandlung endet nicht mit dem Einsetzen des Geräts; regelmäßige Nachsorge und Programmierung sind ein untrennbarer Teil des Prozesses. Die Stimulationsparameter werden im Laufe der Zeit an die sich ändernden Bedürfnisse des Patienten angepasst, damit der Nutzen erhalten bleibt. Die funktionelle Neurochirurgie ersetzt nicht die medikamentöse Behandlung und Rehabilitation; sie ist Teil eines ganzheitlichen Versorgungskonzepts, das diese ergänzt.

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